Mitterfelser Grenzgänge 2010

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Gemeindegrenze führte einst mitten durch das Wohnzimmer - Bei Grenzgängen den nordöstlichen Teil der Gemeinde erwandert

Bereits zum vierten Mal haben sich in Mitterfels zahlreiche "Grenzgänger" mit Alois Bernkopf auf den Weg gemacht. Er­wandert wurden die nordöstlichen Gemeindegrenzen. Veranstalter wa­ren wieder der TSV und die Gemein­de Mitterfels.

Beim Start am Pan­oramabad hieß Stefan Hafner stell­vertretend für Adi Pöschl, dem Vor­sitzenden des TSV, die zahlreichen Grenzläufer willkommen und dank­te dem Initiator Alois Bernkopf, der die Wanderung akribisch vorbereitet hatte.
 
Bürgermeister Heinrich Stenzel schloss in diesen Dank auch Adi Pöschl ein, der zusammen mit Alois Bernkopf die Idee der vier Grenz­wanderungen geboren hatte. Anlass der Grenzgänge seien die Jubiläen ,,50 Jahre Luftkurort" (2007) und ,,40 Jahre Markterhebung" (2008) gewesen, erklärte Alois Bernkopf. Ein weiterer wichtiger Grund war die Bildung der bayerischen Ge­meinden vor gut 200 Jahren mit der Vermessung der Gemeindegrenzen von 1820 bis 1828. Bis zur Gebiets­reform 1978 seien diese Grenzen kaum verändert worden. Während aber damals viele Gemeinden durch Eingemeindungen wesentlich ver­größert wurden, erhielt die Markt­gemeinde Mitterfels lediglich einen kleinen Teil der bisherigen Gemeinde Gaishausen zugesprochen, näm­lich 54 Hektar. Dabei handelt es sich um die Ortschaften Kögl, Hagnberg und Wiespoint mit je einem Anwe­sen. Trotz dieses geringen Zusatzes an Fläche vergrößerte sich die Ein­wohnerzahl von Mitterfels in den vergangenen 50 Jahren um etwa 1000 Personen, betonte Bernkopf.
 

Da Gemeindegrenzen nicht mar­kiert sind, waren die Aussagen und Kenntnisse von Grundstücksbesitzern und Jagdpächtern wie Fritz Hausladen, Xaver Bugl und dem Feldgeschworenen Christian Feld­meier sehr hilfreich. Drei Stunden waren die Wanderer unterwegs und Alois Bernkopf schenkte ihnen nichts. Er führte auch durch unweg­sames Gelände, in einsame Täler, über steile Hügel und über Bäche. Start war am Freibad, wo es zu­nächst über Hinterbuchberg zum Ausgangspunkt Vorderbuchberg ging. Beim Köglbauern wurde eine kleine Rast eingelegt, um Erfri­schungsgetränke und den großarti­gen Ausblick in die Donauebene zu genießen. Xaver Bugl schilderte eine kuriose Situation: früher habe die Gemeindegrenze quer durch sein Ess- und Wohnzimmer geführt. In­zwischen besitze Hunderdorf 300 Quadratmeter Grund weniger und der Weg am Hof vorbei sei jetzt die Gemeindegrenze. Eine eigenartige Situation zeigt sich auch in der Ortschaft Uttendorf: Während drei An­wesen zur Gemeinde Haselbach ge­hören, gehört das vierte Haus zur Ortschaft Hagnberg und ist prak­tisch eine Exklave. Im Bereich Höll­mühle-Reiben bildet die Menach die Gemeindegrenze.

Ein kleiner Exkurs von Alois Bernkopf führte in die Geschichte:

Im Mittelalter um das Jahr 800/1000 sei es auch in Mitterfels so warm gewesen, dass Weinberge und weite Buchenwälder keine Seltenheit wa­ren. "Daher stammt auch der Name Buchberg, übrigens die älteste Be­siedlung in der Gemeinde", so Bern­kopf. Und noch eine interessante In­formation: die Straße Mitterfels­-Steinburg war die erste geteerte Straße im Landkreis. Dass es in Mitterfels/Hagnberg so berühmte Persönlichkeiten gab wie den Jesuit Johann Nepomuk Strassmeier, der 20 Sprachen sprechen konnte und als Erster die Keilschrift übersetzte, kam auch zur Sprache. Nachzulesen ist das in einem der Mitterfelser Ma­gazine.

Zuletzt ging es an der Menach entlang, unter der ehemaligen Bahn­brücke hindurch und noch einmal einen steilen Hang hinauf zurück zum Start am Freibad. Hier gab es zur Stärkung frisch gebackenen Ku­chen von Rosi Stenzel und jede Men­ge Erfrischungsgetränke für die durstigen Gemüter.


Bericht : erö (SR-Tagblatt, 15.10.2010), Bild: Stefan Hafner


  • mehr Bilder vom Grenzgang 2010 gibt es hier